2G-Abschaltung 2028:
Warum macht 5G-Aufzugnotruf heute noch keinen Sinn?

04.05.2026 | von Joachim Klingler, Tobias Schiele

Warum macht 5G-Aufzugnotruf heute noch keinen Sinn?

Das Jahr 2028 mag noch fern klingen, doch für Aufzugsbetreiber in Deutschland ist es eine wichtige Deadline: Die
Deutsche Telekom plant die Abschaltung ihres 2G-Netzes (GSM) zum 30. Juni 2028, gefolgt von Vodafone im Sommer
und O2 Telefónica in der zweiten Jahreshälfte des selben Jahres.

Über 50 % der Aufzüge könnten davon laut Aussagen des VDMA-Fachverbandes Aufzüge und Fahrtreppen betroffen
sein. Es ist also Zeit zu handeln. Dabei stellt sich eine Frage immer lauter:
Wenn wir modernisieren, warum rüsten wir dann nicht direkt auf den neuesten Standard, 5G, um?

Die kurze Antwort: Weil es heute bei uns noch keine passende 5G-Technik gibt, die für den Aufzugnotruf wirtschaftlich
und technisch sinnvoll wäre. Die längere Antwort hat drei Teile.

1. 5G ist nicht gleich 5G

Im 5G-Standard gibt es zwei sehr unterschiedliche Welten:

5G-NR („New Radio“) ist das vollständige 5G, wie es heute in industriellen Routern oder Highend-Smartphones
steckt. Es ist auf hohe Datenraten und Bandbreite ausgelegt – für Anwendungen wie Videoüberwachung oder vernetzte
Maschinen. Module dieser Klasse sind heute verfügbar und funktionieren auch in den bestehenden 5G-Netzen.
Sie benötigen allerdings mehrere Antennen, breite Frequenzbänder und entsprechend viel Strom. Für einen
Notruf, der primär Sprache überträgt, sind sie schlicht überdimensioniert. Wir würden somit erheblichen Zusatzaufwand
generieren, ohne dass der Notruf dadurch sicherer oder zuverlässiger wird.

5G RedCap („Reduced Capability“) ist die Modulklasse, die für IoT-Anwendungen wie den Aufzugnotruf eigentlich
gedacht ist – schlanker, günstiger, stromsparender. Die Weiterentwicklung eRedCap wird der direkte Nachfolger
der heutigen 4G-Module für Aufzugnotruf. Genau hier setzen wir mittelfristig an. Aber: Diese Technologie ist heute
noch nicht einsatzreif für sicherheitskritische Anwendungen.

2. Aktuelle Herausforderungen mit RedCap

RedCap funktioniert nur in sogenannten 5G-Standalone-Netzen (5G SA) – also in 5G-Netzen mit eigenem Kern,
ohne 4G-Unterbau. Telekom, Vodafone und O2 haben 5G SA in Deutschland zwar aufgebaut, doch für unseren Anwendungsfall
reicht das noch nicht:

  • Im Aufzug zählt die Indoor-Versorgung. Wir benötigen zuverlässige Netzabdeckung in Aufzugschächten,
    Maschinenräumen und Untergeschossen. 5G nutzt teils höhere Frequenzen, die Wände und Decken
    schlechter durchdringen als das bewährte 4G-Band. Eine flächendeckende Aussage zur Empfangslage im
    Aufzugsschacht gibt es heute nicht.
  • Mehrnetz-Roaming fehlt. Unsere Siwaltec SIM-Karten buchen sich heute automatisch ins jeweils stärkste
    4G-Netz ein und wechseln bei Bedarf (z.B. in Deutschland über alle drei großen Netze). Für RedCap existiert
    ein vergleichbares anbieterübergreifendes Konzept derzeit nicht. Kommerziell verfügbar ist RedCap in
    Deutschland bislang nur für einzelne Anwendungsfälle.
  • Sprachübertragung fehlt. Das 5G-Pendant zu VoLTE heißt VoNR. Es ist noch im Aufbau – heutige RedCap-
    Geräte fallen für Sprachverbindungen meist auf VoLTE zurück. Für ein Notruftelefon, dessen Kernfunktion
    die Sprachverbindung ist, gewinnen wir damit aktuell nichts.

3. Warum 4G mit VoLTE jetzt der richtige Schritt ist

4G mit Voice over LTE (VoLTE) ist heute der erprobte Standard für zuverlässige Sprachverbindungen im Mobilfunk.
Die Netzbetreiber haben gegenüber der Bundesnetzagentur zugesagt, ihre 4G-Netze parallel zu 5G weiter auszubauen
– 4G bleibt damit auf Jahre die flächendeckende Basisversorgung. Unsere 4G-Gateways nutzen Roaming-
SIM-Karten mit automatischem Netzwechsel und passen wirtschaftlich zur Anwendung: zuverlässige Sprache,
geringe Datenmengen, lange Lebensdauer.

Fazit

Der Wechsel von 2G auf 4G ist heute der wirtschaftlich vernünftigste und technisch ausgereifte Schritt, um den
Aufzugnotruf langfristig zukunftssicher zu machen. 5G werden wir anbieten, sobald RedCap-Module und 5GSA-
Netze die nötige Reife für den sicherheitskritischen Notrufeinsatz haben – wir beobachten das aufmerksam.
Nutzen Sie die verbleibende Zeit bis 2028 für eine geplante Modernisierung.

Quellen
VDMA Fachverband Aufzüge
VSA Schweizer Aufzugverband
Telekom, Vodafone

 

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