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Einzigartiges Aufzugnotrufsystem für Menschen mit Hörbehinderung

Mit einem Aufzug stecken zu bleiben, ist für viele Menschen eine höchst unangenehme Vorstellung. Doch die Allermeisten von ihnen können in solch einer Lage über eine Sprechverbindung mit der Notrufzentrale Kontakt aufnehmen, die dann ihre Befreiung organisiert.

Von dieser beruhigenden Kommunikation abgeschnitten sind jedoch Menschen mit Hörbehinderung. Meldet sich die Notrufzentrale über Lautsprecher im Aufzug, bleibt das Gesagte für sie unverständlich.

Im „Lichthof“ in Gelsenkirchen, dem Tagungshotel des Bau- und Liegenschaftsbetriebes NRW (BLB NRW), ist jetzt eine Anlage in Betrieb gegangen, die für Abhilfe sorgt: Ein einzigartiges, speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit Hörbehinderung zugeschnittenes Aufzugnotrufsystem.

Über den erfolgreichen Abschluss des Pilotprojektes freuen sich der BLB NRW als Initiator und Hauseigentümer sowie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, dessen Integrationsamt das Projekt unterstützt hat. Die Entwicklung von Hard- und Software übernahm die Crailsheimer Firma Telegärtner Elektronik GmbH, als Partner konnte die ThyssenKrupp Aufzüge GmbH gewonnen werden, welche die Arbeiten am Aufzug durchführte. Am 19. Oktober stellten sie den nunmehr serienreifen Prototypen im „Lichthof“ gemeinsam vor.

 

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Bild: Feierliche Einweihung des Aufzugnotrufsystems mit dem Durchschneiden des Bandes.

Die Personen sind (v.l.n.r.): Thomas Hopf (Geschäftsführer der Telegärtner Elektronik GmbH), Marco Meyer (ThyssenKrupp Aufzüge GmbH), Angelika Hölscher (Gesamtschwerbehindertenbeauftragte des BLB NRW), Markus Vieth (Leiter der Niederlassung Münster des BLB NRW), Frank Schrapper (Ingenieur-Fachdienst beim LWL-Integrationsamt Westfalen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe), Rolf Krähmer (Geschäftsführer des BLB NRW).

      

 

Herzstück des Systems im Aufzug ist ein Touchscreen.

Er ermöglicht es eingeschlossenen Personen über eine geschützte Mobilfunkverbindung Informationen mit der Notrufzentrale auszutauschen. Das Display wird nach der Auslösung des Notrufs aktiviert. Automatisch werden dann Fragen wie „Brauchen Sie Hilfe?“ oder „Brauchen Sie einen Krankenwagen?“ auf dem Touchscreen eingeblendet. Geantwortet werden kann über die berührungsempfindlichen Antwortfelder „JA“ und „NEIN“ auf dem Display.

Diese Informationen werden von der Notrufzentrale entsprechend verarbeitet und weitere Schritte zur Befreiung eingeleitet.

Bedienteil Touchscreen

Bild: Bedienteil Touchscreen

Frage-Antwort-Dialogfeld auf dem Touchscreen

Bild: Frage-Antwort-Dialogfeld auf dem Touchscreen

Anschließend erhält die Notrufzentrale die Kommunikation durch Einblenden regelmäßiger Informationen aufrecht, wie etwa „Ruhe bewahren“ oder „Hilfe ist da, weg von der Tür“. Die Fragen und Informationen sind so kurz und einfach wie möglich gehalten. Über die exakten Formulierungen entschieden unter anderem BLB-Beschäftigte mit Hörbehinderung, also potenzielle Nutzer des Systems.

Personen, die kein Deutsch verstehen, können über das Antippen von Flaggensymbolen auf dem Display einen Informationsaustausch in englischer, französischer oder spanischer Sprache aktivieren – ein Zusatznutzen auch für hörende Passagiere, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind.

Zu der Anlage gehört auch eine im Aufzug installierte Kamera. Schlägt die Sprechverbindung fehl, macht sie ein Bild vom Kabineninneren. So kann sich die Notrufzentrale Klarheit darüber verschaffen, ob ein Fehlalarm vorliegt oder sich tatsächlich Personen im Aufzug befinden, möglicherweise sogar verletzt oder ohnmächtig am Boden liegen und sich deshalb nicht melden – ein weiterer Zusatznutzen des Systems, der im Ernstfall auch hörenden Benutzern des Aufzugs zugute kommt und vor Fehleinsätzen schützt.

Zur Auswahl stehende, beispielhafte Kameramodelle

Bild: Zur Auswahl stehende, beispielhafte Kameramodelle

Aufzug mit dem nachgerüsteten Touchscreen

Bild: Aufzug mit dem nachgerüsteten Touchscreen

Mit der jetzt erfolgten Inbetriebnahme werden erstmalig die für Aufzüge geltenden Normen und Vorschriften konsequent im Sinne von Menschen mit Hörbehinderung umgesetzt, etwa die Betriebssicherheitsverordnung oder die Europäische Norm EN 81.

Diese fordert, dass für Aufzugnotrufe ein „in beide Richtungen funktionierendes Kommunikationssystem“ vorhanden sein muss. Dies kann nun endlich auch für Menschen mit Hörbehinderung vollumfänglich umgesetzt werden.

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